Herrenmode | Herrenschmuck

Müssen Männer kochen können?

Na vielen Dank auch, Herr Lafer, Lichter, lecker und wie sie alle heißen! Jetzt reicht es also nicht einmal mehr, dass man(n) in einem Zug perfekt rückwärts einparken oder Telefonbücher mit den Zähnen zerreißen kann, um Frauen zu beeindrucken. Jetzt muss man auch noch kochen können! Und das Ganze wird dann auch noch von einer Emnid-Umfrage belegt, in welcher 90 % (neunzig, das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, wie ein argentinisches Rinderfilet …) der befragten Frauen angaben, dass sie dem Mann gewisse Kochkünste abverlangen. Die Emanzipation der Frau scheint sich schneller zu entwickeln, als die Evolution des Mannes hinterherkommen kann. Vor wenigen Jahren reichte es noch aus Humor zu haben. Da viele Frauen heutzutage aber nicht mehr kochen können, wird man von Humor allein aber auch nicht mehr satt. Darum muss man wohl einfach in den sauren Apfel beißen und den Herren Mälzer, Rach und Kleberg die geballte weibliche Aufmerksamkeit durch geschickte Aufmerksamkeitslenkung auf die eigenen neu erlernten Kochkünste langsam aber sicher entziehen. Kochen macht anscheinend sexy, anders kann man sich nicht erklären, warum die holde Weiblichkeit Abend für Abend mit einem Rohkostteller mit fettarmem Joghurtdip auf dem Schoß vor dem Fernseher hängt und gedankenverloren an einer Gurke knabbernd Tim Mälzer beim Poulardenbrust massieren zuguckt. Wenn dank Kochkunst sogar Schnauzbart und Glatze kein Grund mehr für einen Korb sind, dann könnte der ein oder andere Mann vielleicht doch in die Versuchung kommen, einen Kochkurs zu besuchen. Denn dass Pizza und Spaghetti mittlerweile nicht mehr in die Kategorie „Kochen“ fallen, solange der Teig nicht selbst geknetet, die Pastasauce nicht selber 3 Tage einreduziert, und der Schinken in der Sauce nicht schon als Ferkel mit der Flasche groß gezogen wurde, dürfte mittlerweile bei jedem Mann angekommen sein. Viele reagieren auf die gesteigerten Anforderungen mit Trotz und essen aus Prinzip nur noch in der Kantine oder bei Mutti. Andere wiederum entdecken für sich neue Horizonte und tauchen in eine wundervolle Welt der Nahrungsmittel ein, die ihnen bislang völlig verborgen geblieben ist. Dass der Supermarkt hinter dem Regal mit den Dosenravioli noch weitergeht, wird erst entdeckt, als man sich auf die Suche nach Flusskrebsschwänzen, Balsamicoreduktion (Achtung, durch inflationären Gebrauch in Kochshows fast schon wieder out!) oder Jacobsmuscheln (gleiches Problem wie bei der Balsamicoreduktion) macht. Da jeder Fernsehkoch mittlerweile ein oder mehrere Kochbücher auf den Markt geworfen hat, fällt die Auswahl nach dem passenden Lehrwerk schwer, schreiben sie doch inhaltlich fast alle das Gleiche. Von der Vielfalt verwirrt, greift man letztendlich einfach zu dem Werk, in welchem Lebensmittel vorkommen, von denen man sich sicher ist, sie auch in Mitteleuropa käuflich erwerben und auch fehlerfrei aussprechen zu können. Wenn in einem Rezept für Kartoffelpüree die Zutaten Kartoffeln, Butter und Leberwurst im Verhältnis 1:1 vorkommen, kann es einfach nur gut werden! Eins steht fest: Die Frau am Herd hat sich in den letzten 20 Jahren heimlich still und leise einfach von dannen gemacht. Man(n) muss umdenken. Möchte man als Kochmuffel den seltsamen Zusatzstoffen in Fertiggerichten, die ja je nach Medienbericht alle irgendwie Krebs erregen sollen, nicht mehr tagtäglich schutzlos ausgeliefert sein, sollte man sich langsam den frischen Lebensmitteln zuwenden. Frisch bedeutet leider auch, dass ein Großeinkauf im Monat nicht mehr ausreichen wird. Jedoch kann der regelmäßige kleine Einkauf im Supermarkt um die Ecke schon nach wenigen Übungsrunden zum Vergnügen werden. Und sei es nur wegen der netten Verkäuferin …

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